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ÜBER MICH
Ich wurde im Dezember 1976 geboren. Charkow – meine Geburtsstadt, wo jedermann damals noch Russisch sprach, erscheint heute nicht mehr auf der Landkarte Russlands. Diese Tatsache zwingt mich immer wieder, jedem Nichtrussen zu erklären, dass ich kein Ukrainer bin. Für mich ist Charkow ein Mythos, weil alle, die mich mit diesem Ort verbinden, ihn verlassen haben. Meine Eltern, meine Familie und fast alle Bekannten verstreuten sich in alle Herrenländer dieser Welt aber auch der anderen… Meine Heimatstadt ruht nun in meinem Gedächtnis irgendwo zwischen Chagalls Vitebsk und den Tamara-Gärten aus Nabokovs Roman. Bis zum Alter von 19 Jahren lebte ich hauptsächlich in Moskau. Nach Charkow fuhr ich ausschließlich während der Ferien.

Die Wahrnehmung des Klavierspiels als einer Kunstgattung begann für mich nicht mit Mozart, Beethoven oder Chopin, sondern mit Rameau, dessen „Tambourin“ ich bei meinen ersten Konzerten als vierjähriger spielte. Bis heute empfinde ich eine tiefe Bewunderung für die alte französische Musik. Auch Bach gehörte zu meinen ersten musikalischen Erlebnissen. 1986 spielte ich sein f-moll Konzert für Klavier und Streichinstrumente, das erste in einer langen Reihe von Werken, die darauf warteten, mit zahlreichen Orchestern allen Kalibers von mir gespielt zu werden. Bereits in meiner Kindheit erlebte ich einen weiteren musikalischen Wendepunkt. Die f-moll Fantasie von Schubert hinterließ einen bleibenden Eindruck auf mich. Bald aber, mit dem Erwachsenwerden, gewann die Musik von Schumann für mich zunehmend an Bedeutung. Mit neunzehn, nach dem ersten Studienjahr in London, kehrte ich jedoch zu Schubert zurück und ordnete mein Leben in vieler Hinsicht der schüchternen Größe seiner Botschaft unter. Damals, in England, wurde mir klar, dass meine Diktion eine poetische war. Ihr Tonfall war jedoch nicht so sehr lyrisch als Virgil-artig und distanziert. Meiner Meinung nach erkennt man einen Künstler stärker an der Diktion als an seiner Farbpalette. Erst die Diktion verwandelt eine gewöhnliche Reproduktion in eine kraftvolle Schaffensinterpretation.

Trotz, oder vielleicht wegen der Tatsache, dass das Leben mir Begegnungen mit vielen prominenten Musikern – Lehrern, Dirigenten, Sängern, Instrumentalisten in Person oder auf Aufnahmen – gewährte, bin ich immer auf der Suche nach meiner eigenen Plastizität, genauso wie nach meinen eigenen Ausdrucksmitteln. Mehr als jeder andere Komponist, einige zeitgenossische ausgenommen, begleitet mich Bach auf dieser hochgradig erschöpfenden und gleichzeitig spannenden inneren Erkundungsreise. Meine Bach-Aufnahmen erhielten einigen Lob in der internationalen Kritik. Für meine Debüt-CD wurde ich mit dem Preis „Echo-Nachwuchskünstler des Jahres“ ausgezeichnet. Für die Aufnahmen der Goldberg-Variationen (1994) reichte es sogar zu einer Grammy-Nominierung. Bis heute habe ich insgesamt 18 Alben, darunter sechs Doppelalben, veröffentlicht. Dazu kommen einige nicht offizielle Aufnahmen, sowie Alben, die ich mit anderen Künstlern zusammen aufgenommen habe.

Ein wichtiges Sinnbild, das ich durch mein Spiel den Zuhörern zu vermitteln versuche, ist die Vielfalt der Natur mit all ihren Formen und Gestalten. Genauso wie natürliche und kulturelle Landschaften das Antlitz der Erde prägen, kann auch der Musiker durch sein Spiel Hügel, Bäche, Weingärten, Felder und Meere vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen lassen. Mit diesem Ansinnen bereiste ich zahlreiche Länder auf allen Kontinenten. Aber nicht nur ständig wechselnde Erfahrungen der Fremde verhalfen mir zur Formung meines Stils. Größten Einfluss auf mich hatte die Landschaft in der Gegend um den Comer See. Dort lebte ich drei Jahre lang, von 1997 bis 2000, mit meiner Familie.

Im Jahre 2004 ehrte mich meine Alma Mater, die London Royal Academy of Music, indem sie mich zum Fellow ernannte. Dieses Ereignis folgte meiner Ernennung zum Associate durch Committee of the Royal Musical Institutions zwei Jahre zuvor.

Und nun – genug davon… Momentan arbeite ich an der musikalischen Umsetzung von Bildern der mittelalterlichen Architektur. Die spannende und harmonische Widersprüchlichkeit des japanischen Theaters, versetzt mit einer Prise lyrischer Urbanität, ist eine weitere Inspirationsquelle für mich.